06.10.2017

Stuttgart – Die Vergabe der Nobelpreise ist beendet. Auch dieses Jahr bot die Wahl der Jury wieder einiges an Überraschungen. Oder hätten Sie damit gerechnet, dass gerade Barry Barish, Kip Thorne und Rainer Weiss den Physiknobelpreis für „entscheidende Beiträge zum Ligo-Detektor und für die Beobachtung von Gravitationswellen“ bekommen?

Ganz besonders viel Konfliktpotential liegt traditionell in der Vergabe des Literaturnobelpreises. Zwar erwartet niemand, dass der diesjährige Gewinner, der Engländer Kazu Ishiguro, sich bei der Annahme des Preises ähnlich ziert, wie Bob Dylan im letzten Jahr – dennoch droht Ungemach. Diesmal von der anderen Seite her, von einem der Verlierer: der Deutschen Bahn.

Eigenen Angaben zufolge, will der Konzern nämlich Einspruch gegen die Entscheidung der Nobelpreisjury einlegen. Spricht hier der beleidigte zweite Platz?

Ein überfüllter Bücherladen

Der Designer des Automatenmenüs bei der Deutschen Bahn betreibt nebenher noch einen kleinen Buchladen

„Ganz und gar nicht!“, meint Konzernsprecher Uwe Wolf und schwingt sich den Schal um den Hals.
Es ginge hier vielmehr darum, dass man vom Nobelpreiskomitee eine zumindest halbwegs objektive Entscheidung erwarte. Da dies, im vorliegenden Fall, ganz offensichtlich nicht so sei, habe man sich, schweren Herzens, dazu entschlossen, gegen die Entscheidung Protest einzulegen. Vor allem im Sinne zukünftiger Teilnehmer sei dies nötig gewesen.

Doch worum geht es konkret? Wolf: „Als die Entscheidung letztes Jahr auf Bob Dylan fiel, kam bei uns, während der Weihnachtsfeier, die Idee auf, uns für die Vergabe in 2017 zu bewerben. Wie es ein ungenannt bleiben wollender Vorstand damals ausdrückte: ‚Wenn ein alter Ex-Hippie mit halbgarem Gestammel vom Weltfrieden den Literaturnobelpreis verdient hat, dann sollten wir ihn gleich zweimal bekommen.‘
Ich sehe das genauso. Vor allem aufgrund der Bandbreite des literarischen Werkes der Bahn.“

Dieses Werk erstreckt sich über die unterschiedlichsten Bereiche. Von sich rhythmisch wiederholenden, dadaistisch geprägten Sprechgesang imperativen Charakters („Hinweis: Das Rauchen ist in diesem Bahnhofsbereich nicht gestattet. Hinweis: Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt“) über performanceartig dargebotene Globalisierungskritik (Thank you vor Traffeling with Deutsche Bahn) bis hin zu, in bester Weise kafkaesk, strukturierten Automatenmenüs.

„Besonders die Menüs stellen doch diese sogenannte Kunst anderer zeitgenössischer Schreiberlinge in den Schatten“, sagt Wolf.
Tatsächlich sagt die Bahn in ihrer Bewerbung:
„K. hat bei Kafkas Schloss das Schloss immer vor Augen aber er kommt nicht hin. Wir denken bei unserer Menüführung weiter. Unser Schloss fährt ab.“


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