01.12.2017

Nordpol – Geschäftig geht es zu, bei den Helfern des Weihnachtsmannes hier oben im kühlen Norden. Kein Wunder, bis zum Heilig Abend ist es ja nicht mal mehr ein Monat. Doch auch, wenn man von jeher lieber nicht so genau auf die Arbeitsbedingungen der „kleinen Elfen“ schielt fällt auf: Im Vergleich zu unserem letzten Besuch, Ende der 90er, hat sich die Situation noch weiter verschlechtert.

Zwei Biergläser

Gerade in Großstädten wünschen sich Kinder oft Naturalien

„Die Anforderungen an unsere Mitarbeiter sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen“, so Bernd. Er ist Sprecher der Kobaltgrube 4, Abteilung D1, in welcher der Rohstoff für Lithium-Ionen-Akkus gefördert wird.
„Die Anforderungen beim Fördern von Kobalt sind natürlich andere, als wenn man den Arm einer Holzpuppe bemalt – außerdem hatten wir mit Farbe und Pinsel nur sehr wenige Unfälle.“
Zögernd fügt er noch hinzu: „Es wurde auch weniger gehustet.“

Dennoch, die höhere Arbeitsbelastung ist nicht das eigentliche Problem. Mehr zu schaffen mache den Mitarbeitern der aggressive Ton vieler Wunschzettel.
„Manche Wunschzettel sind – naja. Die sind nicht sonderlich nett.“
Früher hätten die Kinder einfach ihre Wünsche aufgeschrieben, daneben ein wenig was gemalt. „Herzchen und kleine Christbäume, manchmal sogar ein kleines Gedicht oder so was. Aber das hatten wir hier schon Jahre nicht mehr. Inzwischen sind die Listen meist ausgedruckt, manche mit Diagrammen versehen. Ein Kind hat neulich mit einem Balkendiagramm die Wertentwicklung seiner Geschenke im Lauf der Jahre verdeutlicht. Inflationsbereinigt.

Noch schlimmer für die Mitarbeiter seien die Drohungen. Etwa vom 8-jährigen Frederig (sic).
„Letztes Jahr bekam er statt einer Playstation eine Xbox. Ihm hat das gar nicht gefallen. Er hat uns per Einschreiben mitgeteilt, dass er uns alle anzündet. In Großbuchstaben. Außerdem hat er mit einem Anwalt gedroht, sollte so was nochmal vorkommen. Ein Anwalt, verstehen Sie? Ich mein, Feuerlöscher hätten wir ja.“

Sollte es in Zukunft tatsächlich zu Prozessen kommen, könnte das Jahrhundertealte aber inzwischen fragile Geschäftsmodell des Beschenkens endgültig scheitern.


Bild Oben: AnnaKovalchuk
Bild Mitte: Photo-Mix