07.11.2017

Luxemburg – Am Wochenende veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung mit allerhand journalistischem Brimborium die sogenannten Paradise Papers. Eineinhalb Jahre nach den Panama Papers soll die Öffentlichkeit so erneut von der vermeintlichen Steuerflucht durch Spitzenverdiener, Politiker und internationale Konzerne wie Amazon überzeugt werden.
Trotz fehlenden öffentlichen Interesses reagierte das Finanzministerium schnell, schickte eine ganze Reihe hochrangiger Mitarbeiter in die Europazentrale Amazons nach Luxemburg. Dort mussten die Beamten sich dann ein ganzes Wochenende bei Arbeitsessen und Arbeitsnächten um die Ohren schlagen um was am Ende festzustellen? Ganz genau: Nichts.

Eine kleine Hütte

Auch in der Applezentrale auf den Bahamas ist man von den Ermittlungen überrascht

„Jedem Steuerpflichtigen“, so sagt etwa der Finanzbeamte Torsten Nadel, „stehen die von Amazon, Google und der Königin von England gewählten Modelle zur Steueroptimierung Eins zu Eins so zur Verfügung. Wenn eine Alleinerziehende keine Offshorebriefkastenfirma gründen will, nun, dann steht ihr das vollkommen frei.“

Das deutsche Steuersystem sei überdies eines der klarsten weltweit. Wenn man sich erstmal ein paar Jahre damit beschäftigt habe, sei einem unverständlich, wie jemand etwas anderes behaupten könne.
„Wenn ich mir dagegen etwa das australische Steuersystem anschaue – keine Ahnung, wie da jemand durchblicken soll.“

Bei Amazon in Luxemburg jedenfalls, sei die in der Steuererklärung angegebene Armut an allen Ecken zu spüren gewesen.
„Selbst der Kaviar schmeckt etwa bei der Deutschen Bank deutlich besser. Auch sind die Betten weicher und die Massageassistentin kann wenigstens Deutsch. Noch prekärer wird es, wenn man in die Logistikzentren schaut.“

Dort würde gerade so der Mindestlohn gezahlt, die Arbeit aus effizienzgründen engmaschig überwacht, jede Toilettenpause würde protokoliert.
„Amazon kann es sich offensichtlich nicht leisten, auch nur eine Arbeitsminute eines Arbeiters zu verschwenden. Warum sollte Amazon auf der einen Seite seine Mitarbeiter so schlecht bezahlen, auf der anderen Seite dann aber künstlich den Gewinn kleinrechnen. Das macht doch keinen Sinn“, sagt Nadel.


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