Forchheim – Seit Jahrzehnten haben Menschen die Angewohnheit, alt zu werden. War vor einem Jahrhundert noch mit etwa 50 Lenzen Schluss, so zögert die Population seitdem das Unvermeidliche immer häufiger hinaus. Schuld daran ist vor allem die Vermeidung von Tabak und Krieg, die drastische Senkung der Kindersterblichkeit, die verbesserte Hygiene und Antibiotika. Die Folge: die Gesellschaft wird alt und der Pflegeaufwand erhöht sich. Gleichzeitig können sich immer weniger jungen Menschen für einen Beruf in der Pflege begeistern. 

Kein Wunder, die Bezahlung ist gering, der seelische und körperliche Aufwand aber erheblich. Auf der Suche nach Arbeitskräften orientieren sich Pflegeheime deshalb in Richtung Osten. Der Arbeitsmarkt dort hat sich längst auf die deutsche Nachfrage eingestellt und versucht, durch ungewöhnliche Innovationen Kunden zu gewinnen.

Gurken und Backen mögen sich individuell unterscheiden – von außen betrachtet ist aber eine Gurke doch wie die andere

Bolek Dudek, von der Firma „Potezny Ogorek“: „Ursprünglich waren wir ausschließlich in der Erntehilfe tätig. 2016 haben wir dann die Firma Ogòrek übernommen, einen Spezialisten für die Pflege und schnell gemerkt, wie sich beide Bereich ergänzen. Die Anforderungen sind ja ganz ähnlich. Ob ich jetzt eine Gurke pflücke, oder ob ich einen, – verzeihung – Hintern abwische – beides sind ja am Ende recht monotone, immer gleich ablaufende Tätigkeiten. Gurken und Backen mögen sich individuell unterscheiden – von außen betrachtet ist aber eine Gurke doch immer irgendwo wie die andere. Wenn also immer mehr Pflege gebraucht wird, warum also das Ganze nicht industrialisieren?“

Vektor von einem alten Mann

Alte Männer sehen zwar oft aus wie der Nikolaus – ihre Geschenke sind jedoch ungleich unbeliebter

Die ersten Versuche im Altersheim „Seniorenparadies“ sorgten zu Beginn für Erstaunen. Nicht wenige Angehörige zeigten sich beim Anblick des Pflegefliegers irritiert.
Dudek: „Zugegeben, unser Konzept ist ungewöhnlich. Aber sehr schnell sehen die Kunden auch die Vorteile. Wir erfüllen alle Standards, sind Zukunftsorient und die Pflege lässt sich in einem Bruchteil der Zeit erledigen.“
Auch die Heimleitung bestätigt: „Schon nach der ersten Abrechnungen hat sich die Meinung der meisten Angehörigen verbessert. Viele haben wohl nur etwas Zeit gebraucht, um sich an das neue Verfahren zu gewöhnen.“

 


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