Gaggenau – Die Verstimmungen zwischen Gaggenau und Ankara erreichen einen neuen Tiefpunkt. Wie soeben vermeldet wird, hat Ankara nun sämtliche Dönerbuden aus Gaggenau abgezogen. Der türkische Minister für Reibereien, Akif Missmuth, dazu: „Wer willkürlich Türken ausläht, braucht nachts um halb drei auch keinen Döner.“ In der drittgrößten Stadt des Landkreises Rastatt laufen jetzt erste Hilfsaktionen für Nachtschwärmer an. „Wir müssen erst wieder lernen, wie man eine Bratwurst richtig brät“, sagt Heinrich Vogel von der Stadtverwaltung Gaggenau. Seit 23 Uhr steht er hinter seinem Grill. Er wirkt unsicher, sein Gesicht will nicht recht zur optimistischen Botschaft seiner Schürze passen.

Manche Bratwürste wirken doch noch arg künstlich

Ein aufgebrachter Kunde baut sich vor der Bude auf, hält sein aufgeklapptes Brötchen und eine dunkle Bratwurst darin anklagend hoch. Zum gefühlt hundertsten Mal heute erklärt Vogel in geduldigem Beamtenton die Sachlage. Nein, nein, Bratwurst gäbe es prinzipiell ohne Salat. Die gelbe Soße? Ja, das sei halt Senf. S-E-N-F. Ja. Nein, Käse könne er nicht anbieten. Ja; ja das wäre scheiße, Digger.
„Die Krise mit Ankara beschäftigt alle hier in Gaggenau“, erklärt der Beamte. Viele sind persönlich betroffen und selbst wenn nicht, so kennt man zumindest jemanden, der mit knurrendem Magen an der Disco steht.”

Döner wirken nachts um halb drei weniger doppeldeutig

Vor der Bratwurstbude wird es laut, ein paar alkoholisierte Gäste kommen in Streit, es geht wohl um gewisse Wurstassoziationen. „Mit Dönern ist uns das nie passiert“, sagt Vogel. „Die wirken auf die Menschen scheinbar weniger doppeldeutig.“ Er überlegt kurz. „Zumindest nachts um halb drei.“
Inzwischen ist Gaggenaus Schicksal über die Landkreisgrenzen hin bekannt, Pläne für eine Dönerbrücke aus Berlin scheiterten bisher allerdings am fehlenden Flughafen.


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