11.09.2017

Wattenscheid – Das erste Ausbildungsjahr ist gerade einmal eine Woche alt aber schon ist für viele ältere Mitarbeiter klar: Mit dieser Gurkentruppe geht die Firma endgültig den Bach runter.
„Sowas dummes hab ich noch nicht gesehen!“, sagt etwa der 55-jährige Fleischergeselle Holger Stumpf über den ihm zugeteilten Auszubildenden.
„Dabei waren die Anforderungen an den Neuen ein Witz. Er sollte weder den Speck abschwarten oder die Bändel lösen geschweige denn den Chop ausschalen. Er sollte mir nur einen Z-Wagen holen. Und was holte er? Einen T-Wagen. Wie kann man nur so blöd sein?“ 

Gurselbild eines Metzgers

Kann die schwache Leistung seines Auszubildenden nicht nachvollziehen: Holger Stumpf


Auch wenn es Stumpf kaum helfen wird: Er ist mit seiner Klage nicht allein. Sagt zumindest Karl Ferdinand von Zunder. Im Auftrag des „Instituts von der deutschen Wirtschaft“ (IvddW) untersucht er alljährlich die Qualität der neuen Auszubildenden nach der ersten Woche.
„Landauf, Landab stöhnen die Ausbilder seit letzter Woche über diese verzogenen Träumer, die keine Ahnung von ihrem eigentlichen Beruf haben.
Jahr für Jahr erschrecken uns die Ergebnisse aufs Neue. Die neuen Mitarbeiter sind fachlich schlicht, um nicht zu sagen, äußerst limitiert. Es fehlt an Allem. Am Können, am Selbstvertrauen, die meisten wissen noch nicht einmal, wo die Toiletten sind.“

Besonders deutlich würden die Defizite, wenn man die neuen Mitarbeiter mit den Älteren vergleicht.
„Bei denen sitzt jeder Handgriff, das war halt auch noch eine andere Generation“, meint der 61-jährige. „Wir wollten noch leisten, wir hatten ja auch nichts.“

Das IvddW empfiehlt deshalb seit Jahren eine Schulreform.
„Wir kamen ja damals mit 14 raus und schauen sie uns jetzt an, hat es und etwa geschadet? Sämtliche Posten in Verantwortung werden inzwischen von Älteren besetzt. Da muss es doch klingeln.“

Holger Stumpf nutzt das freilich wenig. Kopfschüttelnd sieht er zu, wie der Auszubildende Brät vom Boden aufwischt. Dann muss er schon wieder eingreifen. „Nicht in den Abfall! Weißt du denn gar nichts!“


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